Podcast

#33 - Worauf du als Mama oder Papa bei einer Trennung achten solltest

7 Impulse für Eltern, die sich gerade in Trennung befinden und Sorge haben, wie es ihrem Kind damit geht

Diese Woche erreichte mich eine Frage, die mir schon mehrfach gestellt wurde. Daher möchte ich ihr diese Podcastfolge widmen:

Eine junge Mama, die relativ frisch vom Vater ihres Kindes getrennt ist und oft darüber nachdenkt, wie es ihrem bald 2jährigen Sohn wohl sein mag, der zwar noch recht klein ist, aber trotzdem schon total viel mitbekommt, fragte mich: Was hättest du dir als Trennungskind von deinen Eltern gewünscht?

Ich möchte diese Frage folgendermaßen umformulieren: Worauf sollte man als Mama oder Papa nach einer Trennung achten?

In dieser Podcastfolge gebe ich dir 7+1 Impulse als Antwort auf diese Frage aus der Perspektive und Erfahrung eines erwachsenen Trennungskindes und gleichzeitig auch aus meiner heutigen Perspektive als Mama.

Ich spreche hier aus tiefstem Herzen in der Hoffnung, dass diese Folge viele Mamas und Papas erreicht, die sich wünschen, dass es ihrem Kind nach der Trennung gut geht und es sich so entwickeln kann, dass es eines Tages voller Gewissheit geliebt und geborgen zu sein und voller Vertrauen in seine eigenen Kraft und Selbstwirksamkeit in die Welt hinausgehen kann.

Wie du deinem Kind in den herausfordernden Umständen, die eine Trennung mit sich bringen kann, **Wurzeln und Flügel **geben kannst, dass dieser Wunsch in Erfüllung gehen kann, erfährst du in dieser Folge.

Ich wünsche dir viel Inspiration und lade dich von Herzen ein, sie mit anderen Mamas und Papas von Trennungskindern zu teilen.

In dieser Folge verweise ich auf 3 weitere Podcastfolgen von mir, die du ganz einfach unter folgenden Links findest:

> #15 Warum es sich lohnt, an die Liebe zu glauben – Interview mit Karen Christine Angermayer

> #32 Warum Entwicklung immer möglich ist – Interview mit Martin Brugger

> #12 Trennungskinderleben (4/4): Weltenbummlerleben

Das Buch, das ich in diesem Podcast mehrfach zitiere und das ich allen Eltern, die sich in Trennung befinden, von ganzem Herzen empfehlen kann heißt:

„Glückliche Scheidungskinder. Was Kinder nach der Trennung brauchen“ – Von Remo H. Largo und Monika Czernin, erschienen im Piper-Verlag

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VIEL FREUDE

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Ich möchte mit einer wichtigen Vorbemerkung starten aus meiner heutigen Perspektive als Mama von zwei wundervollen kleinen Menschen:

Wenn du dir diese Frage stellst, zeigst du damit, dass du dein Kind im Blick hast – Du willst es gut machen und du wünscht dir von ganzem Herzen, dass es deinem Kind gut geht! 

Das ist so schön und dafür darfst du dich wertschätzen. Du bist schon allein deshalb eine gute Mama und ein guter Papa!

Seit ich selbst Mama bin weiß ich, dass dieser Spruch „Ich will das Beste für mein Kind“ nicht einfach daher gesagt ist , sondern einen tiefen Liebe zu seinem Kind entspringt. 

Aber was ist das Beste? So oft wissen wir es einfach nicht und tappen im Dunkeln. Schon in vielen kleinen Alltagssituationen. Wie herausfordernd muss das erst sein bei einem für alle Beteiligten so herausfordernden Prozess wie einer Trennung…

Daher vorab eine ganz wichtige Erkenntnis: Es gibt keine perfekten Eltern!

Das sage ich nicht einfach daher, sondern zitiere hier die bekannte Psychotherapeutin und Bestsellerautorin Stefanie Stahl, die in ihrem Buch „Nestwärme die Flügel verleiht“ schreibt: „Gut genug!“ ist ein hilfreiches Mantra für Mamas und Papas. Wir müssen nicht perfekt sein. Gut genug reicht aus.“

Unsere Aufgabe ist es in erster Linie unserem Kind Wurzeln und Flügel zu geben: Liebe und Geborgenheit und den Freiraum, dass es seine Selbstwirksamkeit entdecken und entwickeln kann.  Ihm Bindung und Autonomie ermöglichen. Und das tun wir so gut wir es können!

Hier möchte ich dir 8 Impulse geben, die dir helfen können, dein Kind vor/während/ nach einer Trennung „gut genug“ zu begleiten.

1. Suche dir Begleitung und Unterstützung für dich selbst

Eine Trennung ist oft ein schwieriger und schmerzhafter Prozess. Du musst nicht alles allein meistern.

Suche dir Wegbegleiter, denen du vertraust und die dich dabei unterstützen, deine Trennung und die Verletzungen, die dadurch entstanden sind und Themen, die dadurch hochkommen, zu verarbeiten.

Das können Freunde oder Familienmitglieder sein und auch professionelle Begleitung durch Beratung und Therapie. 

Mir ist es so wichtig zu betonen, dass professionelle Begleitung kein Luxus ist, generell nie, aber schon gar nicht, wenn es um die Verarbeitung einer Trennung geht.

Deinen eigenen Schmerz verdrängen und für dein Kind stark sein bringt weder dir noch deinem Kind auf Dauer etwas! 

Der bekannte Kinderarzt und Bestsellerautor Prof. Remo Largo vergleicht Kinder mit Seismographen, weil sie feinste Schwingungen und Spannungen ihrer Eltern registrieren. Vor allem die ganz Kleinen nehmen ihre Umwelt überwiegend atmosphärisch wahr. Sie spüren den Schmerz der Eltern, auch wenn diese ihn nicht offen äußern. Und diesen Schmerz, diese negativen Emotionen, werden sie mit großer Wahrscheinlichkeit auf sich beziehen. Ein kleines Kind kann eine Trennungssituation rational noch nicht nachvollziehen. Wenn es den Eltern nicht gut geht, bezieht es das automatisch auf sich, hält sich selbst für den Auslöser und kommt zu dem Schluss: Ich bin schuld.

Und ich bin überzeugt davon, dass es genau das ist, was wir als Mama oder Papa auf keinen Fall wollen, oder?

Deshalb mein erster Impuls: Suche dir selbst Hilfe! Das ist das Allerbeste, was du für dein Kind tun kannst, weil du als Mama oder Papa der Lebensmittelpunkt für es bist.

2. Arbeite die Partnerschaft mit dem Vater/ der Mutter des Kindes auf, lasse sie in Frieden los und öffne dich für die gemeinsame Elternschaft.

Eines der schwierigesten Dinge für ein Kind nach der Trennung seiner Eltern ist, wenn es in Loyalitätskonflikte kommt. Ein Kind liebt immer beide Eltern. Es kann sich nicht zwischen ihnen entscheiden. Und wenn es dazu gezwungen wird, wird sich das mit großer Wahrscheinlichkeit negativ auf die Entwicklung des Kindes auswirken, z.B. bei der Ausbildung seiner eigenen Identität. 

Achte unbedingt darauf, wie du über den Vater oder die Mutter deines Kindes sprichst: Wenn du ihn/sie schlecht machst (offen oder subtil), wird es dein Kind zwangsläufig in die oben beschriebenen Loyalitätskonflikte bringen. 

Mir ist bewusst, dass es ein ziemlich herausfordernder Schritt ist, seinen Expartner als Mutter oder Vater weiterhin wertzuschätzen, wenn man sich als Mann oder Frau von ihm getrennt hat – die Trennung hat ja schließlich Gründe. 

Und mir ist ebenso bewusst, dass dieser Prozess des Voneinander-Loslassens verschiedene Phasen hat und seine Zeit braucht . Keiner erwartet, dass das von heute auf morgen geht. Und genau deshalb ist es so wichtig, dass du dir eine neutrale und professionelle Begleitung suchst und vielleicht auch in der ersten Phase nach der Trennung, die wahrscheinlich sehr konfliktbehaftet ist, einen Mediator bei Gesprächen mit deinem Expartner/ deiner Expartnerin.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal auf Remo Largo verweisen, der gemeinsam mit seiner Co-Autorin Monika Czerin das Buch „Glückliche Scheidungskinder“ geschrieben hat. Beide Autoren sind jeweils getrennt von ihren Partnern und schreiben sowohl als Experten als auch aus eigener Erfahrung und sie schreiben sehr eindrücklich davon, dass man sich als Eltern immer lebenslang verbunden bleibt durch sein Kind, auch wenn man als Partner getrennt ist. Daher plädieren sie dafür, sich der gemeinsamen lebenslangen Elternschaft bewusst werden und diese verantwortungsbewusst zu leben. Und das kann dann am Besten geschehen, wenn die Trennung sauber verarbeitet wird und man sich gegenseitig in Frieden loslassen kann. 

Für das Kind und seine Entwicklung ist es das, das Beste was passieren kann, wenn seine Eltern nach der Trennung weiterhin bewusst Elternschaft leben und sich gegenseitig als Mama oder Papa des gemeinsamen Kindes wertschätzen und respektieren – und das nicht nur mit Worten, sondern wirklich ganz tief im Herzen drin.

Ein Beispiel dafür, wie das konkret gehen kannst, findest du in meinem Interview mit Karen Christine Angermayer

3. Sei deinem Kind eine zuverlässige Bezugsperson, die ihm Wurzeln und Flügel schenkt. Manchmal neigen Eltern nach der Trennung ihr Kind beschützen zu wollen und bemühen sich, die Wurzeltiefe zu verdoppeln, vergessen dabei aber, dass ein Kind auch fliegen lernen muss. Will sagen: Achte darauf, dass du dein Kind nicht zu sehr an dich bindest. Sei für es da, wenn es dich braucht und lass es voller Vertrauen los, wenn es seine eigenen Erfahrungen sammelt. Wenn ein Kind seine Selbstwirksamkeit nicht entdecken und entwickeln kann, wird es später wenig Drang haben, ins Leben hinauszugehen. 

Wie man ein Kind dabei unterstützen kann, seine Selbstwirksamkeit zu entfalten, erfährst du in meinem Interview mit Martin Brugger

4. Gib deinem Kind auch die Möglichkeit andere Bezugspersonen zu finden und binde es nicht nur an dich selbst. Das gilt wie oben beschrieben vor allem für den Ex-Partner, aber auch für weitere Personen, wie Großeltern oder vielleicht auch eine befreundete Familie, bei der sich das Kind gern aufhält. Wenn es Menschen gibt, die dein Kind annehmen und lieben, und bei denen es gern ist, dann lass es dort sein und tanken. Ich persönlich denke hier z.B. mit großer Liebe an meine Großeltern, die für mich immer ein verlässlicher und liebevoller Hafen waren. Die Beziehungen, die dein Kind zu diesen Bezugspersonen entwickelt, werden ihm später wertvoller Ressourcen sein. 

Eine Anmerkung dazu: Manchmal haben Eltern gerade nach einer Trennung die Angst ihr Kind zu verlieren an den Ex-Partner, oft auch an die neuen Partner der Ex-Partner oder an jemand anderen, zu dem es vielleicht im Moment eine tiefere Beziehung zu haben scheint. Hier möchte ich dich beruhigen: Dein Kind hat nur eine Mama und einen Papa! Dieser Platz ist dir sicher! Du wirst diesen Platz nie verlieren. Auch wenn du diese Verlustangst spürst, darfst du dein Kind vertrauensvoll loslassen, so schwer es dir vielleicht auch am Anfang fallen wird. Lass dein Kind los und freue dich darüber, wenn es ihm auch in der Beziehung mit anderen Menschen gut geht. Es wird zu dir zurückkommen, immer wieder. Du wirst deinen Platz nicht verlieren. Wenn du es aber an dich bindest, aus Angst, du könnest es verlieren, wird es sich irgendwann einmal zwangsläufig losreißen müssen, um auf seinen eigenen Füßen stehen zu lernen.

5. Lass es Kind sein und mache es nicht zu deinem Partnerersatz.

Gerade bei alleinerziehenden Elternteilen kann es passieren, dass ein Kind mit der Zeit an die Stelle des Partners rückt. Das kann offen ausgesprochen werden „Du bist jetzt der Mann im Haus“ oder sich subtil in die Beziehungsmuster einschleichen. Für die Entwicklung des Kindes ist das eine schwere Hypothek. Es trägt auf diese Weise eine Verantwortung, die ihm etliche Nummern zu groß ist, der es aber unbewusst nachzukommen versucht und alles versuchen wird, damit Mama oder Papa glücklich, zumindest aber nicht mehr traurig sind.

6. Folge deinem Kind in seine Welt 

Nimm dir Zeit, die Perspektive deines Kindes kennenzulernen. Folge deinem Kind in seine Welt und lass es erzählen. Und ganz wichtig: Wenn es das tut, dann werte das, was dein Kind dir erzählt nicht. Lass es stehen und zeige deinem  Kind, dass du dich für es interessierst und dass du es respektierst als eigenständige Persönlichkeit. Wenn dein Kind diese Erfahrung machen darf, wird es dir wahrscheinlich weiterhin gern von sich erzählen.

Dazu gehört z.B. auch, dass das Kind von der der anderen Welt des Expartners/ der Expartnerin erzählen darf. Nach einer Trennung werden aus der einen Welt des Kindes zumindest meistens zwei Welten. Beide Welten sind nun Teil seines Lebens. Wenn diese beiden Welten friedlich koexistieren können, kann das Kind sich entspannt entwickeln. Ist das nicht der Fall und stehst du als Mama oder Papa der anderen Welt argwöhnisch bis feindselig gegenüber, wird das dein Kind in Loyalitätskonflikte bringen. 

Ich habe hierzu die Podcastfolge #12 Trennungskinderleben: Weltenbummler aufgenommen, wo ich ausführlich über dieses Thema spreche.

Dem Kind in seine Welt folgen bedeutet auch, dass du darauf achten solltest, dass du deinen eigenen Schmerz / deine eigene Verletzung nicht auf dein Kind überträgst. Dein Kind erlebt die Trennung aus seiner ganz eigenen Perspektive. Es ist weder deine Perspektive noch die deines Expartners. 

Ganz praktisch solltest du darauf achten, nicht in Wir-Form zu sprechen und so etwas zu sagen, wie „Wir wurden verlassen oder wir waren Mama/ oder Papa nicht wichtig genug, sonst wäre sie/er geblieben“ oder so etwas. Hier projizierst du deine eigene Sichtweise auf dein Kind und das kann große Schäden auf die Kinderseele haben, z.B. wenn dann so eine innere Überzeugung hängen bleibt, wie „ich bin nicht wichtig genug, dass jemand bei mir bleibt“.

Achte schon sprachlich klar darauf zwischen dir und deinem Kind zu trennen und mache ihm deutlich: Das ist ein Konflikt zwischen Mama und Papa, aber der hat mir dir überhaupt nichts zu tun.

7. Gib deinem Kind die Zeit, die es braucht und übe keinen Druck auf es aus. Ein Kind braucht Zeit, um die Trennung seiner Eltern zu verarbeiten und um sich an die neuen Lebensumstände zu gewöhnen. Jedes Kind hat sein eigenes Tempo. Gib deinem Kind daher alle Zeit der Welt und wirf deine eigenen Vorstellungen über Bord, wie lange dieser Verarbeitungsprozess zu dauern hat und auf welche Weise er abläuft. Vertraue deinem Kind und respektiere es.

Hier kann es auch sehr hilfreich und unterstützend sein, wenn du professionelle Begleitung, in Form eines Therapeuten o.ä.  suchst, die dein Kind als neutraler Begleiter in dem Verarbeitungsprozess zu Seite steht und dir aus seiner Expertise heraus Feedback zum Verarbeitungsprozess des Kindes gibt.

8. Trauere nicht dauerhaft darum, wie es hätte werden können, sondern sei hier und jetzt mit deiner ganzen Liebe für dein Kind da , damit es Lust auf dieses Leben und vertrauen in seine eigene Kraft bekommt. Als Mama kann ich mir so gut vorstellen, dass es einem das Herz zerreißen kann, wenn das Leben so ganz anders verläuft, wie du es dir für dein Kind gewünscht hättest. Trotzdem: Es war nur eine Vorstellung. Damit geht häufig ein schlechtes Gewissen einher, das man dem Kind nicht das geben konnte, was man in seiner Vorstellung eigentlich wollte. 

Mache dir bewusst, dass dein schlechtes Gewissen die Situation für dein Kind  nicht besser macht. Was auch immer der Grund für die Trennung war, sie ist Teil eures Lebens und du als Partner/in hast mit großer Wahrscheinlichkeit genauso Anteil daran wie dein Ex-Partner. Und hier sind wir wieder bei Punkt 1: Das Beste was du deinem Kind tun kannst, ist, dass du Verantwortung für deinen Anteil am Geschehenen übernimmst, es aufarbeitest und Frieden damit schließt. 

Die Trennung ist Teil eures Lebens. Bleibe bitte nicht auf Dauer bei deiner Enttäuschung, deiner Verletzung und deinem schlechten Gewissen stehen, sondern erlaube dir einen bewussten Prozess des Trauerns und dann lass los und akzeptiere das Jetzt. 

Genau dieses Jetzt enthält so viele Chancen und Möglichkeiten für dich und dein Kind. 

Fazit:

In einer Trennung stecken enorme Herausforderungen aber auch wunderbare Heilungschancen. Je bewusster und intensiver du dich selbst als Mama oder Papa auf den Weg der Verarbeitung und der Heilung machst und Frieden mit der neuen Situation schließt, die auch die lebenslange Elternschaft und in der Regel auch neue Partner beinhaltet, desto mehr schaffst du deinem Kind Raum für eine gesunde Entwicklung im Wechselspiel von Bindung und Autonomie und kannst es als Mama/ Papa liebevoll und präsent in Heute, Hier und Jetzt begleiten. Das ist unsere Hauptaufgabe als Eltern, ganz egal ob getrennt oder nicht: Unseren Kindern Wurzeln und Flügel zu geben, damit sie eines Tages voller Gewissheit geliebt zu sein und voller Vertrauen in ihre eigene Kraft ins Leben gehen können.

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Was ich schon immer einmal sagen wollte